Rassistische Kontrolle am Yppenplatz

15. April 2019

Ein erster Sonnentag nach einem Kälteeinbruch im April. Die Gastgärten am Yppenplatz sind gut besucht, kaum ein Tisch ist frei. Drei Männer, schwarze Haare, dunkle Augen, ein wenig abgetragene Kleidung, sitzen an einem der wenigen Tische, die nicht zu den Lokalen gehören, ihre Instrumente haben sie neben sich abgestellt. Zwei Cops in Uniform fragen sie nach ihren Ausweisen, überprüfen ihre Identität, ihren Aufenthaltsstatus. Alles ok, “nur eine Routineüberprüfung, wir machen nur unseren Job”, sagt der Cop zu einem der drei Männer. Von all den Leuten in den Gastgärten am Yppenplatz sind die drei die einzigen, die von der Polizei herausgepickt und schikaniert werden. Eine rassistische Kontrolle, so ruhig und banal, dass sich beim Feierabend-Drink kaum eine_r daran stört.

Zur Situation Schwarzer Menschen in Wien

6. April 2019

Die letzten paar Monate wurden duch Razzias in Essenslokalen, Afroclubs, Afroshops und Orten des Treffens Schwarze Menschen verhaftet. Enorm viele Menschen sind von heute auf morgen weg (gewesen).

Die nigerianische Community ist geschockt (obwohl nix Neues für sie).

Leute, die zehn bis 15 Jahre im Lande irgendwie unrechtmäßig gelebt haben, sind weg. Väter und auch Mütter von hier geborenen Kindern auch. Das ‚Afro-Shop-Business’ wird ständig perlustriert, belästigt, bis hin zu Schließungen.

So for your information, wie ‘diese Community’ über/lebt.

Es braucht weitere Infos über Razzien und potenzielle Bedrohungen, Abschiebungen usw. und Engagement für Schutz. (pd)

Razzia und Festnahmen für Abschiebeflug nach Nigeria am 11. April

english version below

Letzten Freitag (29. März) fand im Na Nang Club am Hernalser Gürtel eine Razzia statt. Tatsächlich dürfte es beim Überfall der Polizei auf den Club darum gegangen sein, in Hinblick auf einen bevorstehenden Charter-Abschiebeflug nach Nigeria gezielt Schwarze Menschen ohne Papiere zu suchen und gefangen zu nehmen. Denn vor allem fanden rassistische Kontrollen samt Überprüfung des Aufenthaltsstatus statt. Die Cops haben einige der im Club Anwesenden festgenommen – manche wurden später wieder frei gelassen oder nach Hause verfolgt, andere ins Abschiebegefängnis eingesperrt.

Die nigerianische Botschaft bestätigt, dass für  11. April ein Charter-Abschiebeflug nach Nigeria geplant ist.

Passt auf euch und auf andere auf, gebt die Info weiter und lasst keine_n mit der Kieberei allein!

[english version]

Last Friday (29 March) cops raided the Na Nang Club at Hernalser Gürtel. It seems that the raid was in fact about finding and arresting Black people of color without papers. So in the first place the people hanging out there became victims of racial profiling, and their legal status was checked. People were taken to police stations – some were released later or followed home, others were brought to the deportation prison.

The Nigerian embassy confirmed that a charter deportation flight to Nigeria is scheduled for 11 April.

Take care for yourself and others, share the info and don’t leave anyone alone with the cops!

Solidarität mit der Betroffenen und der Unterstützer_innengruppe bezüglich eines sexualisierten Übergriffs im „Kuku – das linke Beisl“

Spät, aber ungebrochen aktuell: Unsere Solidarität mit der Betroffenen eines sexualisierten Übergriffs im Kuku und mit der Unterstützer_innengruppe:

Unsere Solidarität gilt den Betroffenen und Überlebenden von sexualisierter Gewalt. Auch in Wien wünschen wir uns keine Ignoranz zu Vorkommnissen, die mit sexualisierter Gewalt zu tun haben sondern einen ernstzunehmenden und sensiblen Umgang mit diesen. Nur so können sichere(re) Räume für alle* geschaffen werden.

Ausgangspunkt unserer Gruppe „Kieberei, was geht?!“ ist, dass wir davon ausgehen, dass so genannte Sicherheitsbehörden wie die Polizei reichlich wenig zu unserer Sicherheit beitragen. Es braucht alternative Strategien jenseits von Polizei und Anzeige, um mit Problemen und Konflikten umgehen zu können. Jene Strategien und Handlungsmöglichkeiten müssen erdacht, erprobt und diskutiert werden, mit ihnen sollten wir uns schon beschäftigen, bevor es überhaupt zu Problemen kommt.

Wir unterstützen die Öffentlichmachung des sexualisierten Übergriffs im Kuku als eine Form von selbstbestimmtem Umgang mit sexualisierter Gewalt sowie als ein wichtiges Werkzeug, eine (bisher leider ausgebliebene) Auseinandersetzung mit der Thematik herbeizuführen.

Vom Kuku fehlt bis heute – mehrere Monate nach dem Aufruf der Unterstützer_innengruppe – eine klare Positionierung: Eine Positionierung in Solidarität mit der Betroffenen und klar gegenüber dem Täter.

Auf ein „linkes“ Lokal, welches weiterhin Raum für den Täter ist und welches sich nicht klar antisexistisch und pro-feministisch positioniert und danach handelt, haben wir keine Lust. Wir zeigen uns mit der Betroffenen solidarisch und werden nach dem Aufruf zum Boykott im Schreiben der Unterstützer*innengruppe vom 2.12.2018 das Kuku bis auf weiteres nicht mehr besuchen.

U6 Spittelau: Nix, die wollten nur unsere Ausweise

Februar 2019, U6 Spittelau

Ich bin mit der U6 Richtung Florisdorf gefahren und bei Spittelau ausgestiegen. Wie viele andere sind zwei Schwarze Personen of Color im selben Moment ausgestiegen. Unten gleich sind zwei Polizisten entgegengekommen und haben die zwei Leute nach ihren Ausweisen gefragt. Continue reading U6 Spittelau: Nix, die wollten nur unsere Ausweise

Gumpendorfer Straße: Rassistische Kontrolle einer Familie

Bericht vom 4.2.2019, Zeit des Geschehnisses: ca. 19:00

Als ich am Abend des 4.2.2019 um 18:45 mit dem Rad an der U-Bahnstation Gumpendorfer-Straße vorbeifuhr, wurde ich Zeug*in einer skurrilen Szene:

Es war schon dunkel und kalt (um die 0°C). Plötzlich sah ich, wie 4 Polizist*innen abseits von der Straßenbahnstation, gleich neben den Schienen und vor einer Spanplattenwand (welche die Mülltonnen verdeckte) 3 Personen im Halbkreis und breitbeinig umstellten. Ich blieb stehen, um das Ganze besser zu betrachten und erkannte, dass offensichtlich eine Familie, also vermutlich Eltern und deren kleines Kind (wohl um die 4 Jahre alt) gerade das Ziel einer rassistischen Polizeikontrolle geworden ist. Continue reading Gumpendorfer Straße: Rassistische Kontrolle einer Familie

“Identitätsfeststellung, ist ganz normal”

Am Praterstern, 18.10. Nachmittag

Am Anfang der Praterhauptallee wird eine Schwarze Person, die auf einer Parkbank sitzt, von 5-6 Polizist_innen kontrolliert. Ich komme vorbei, bleibe irritiert stehen und setze mich dann auf die nächste Bank, von wo aus ich das Geschehen beobachte, aber auch telefoniere. Nach circa 15 Minuten frage ich bei der Polizei nach, was sie hier macht – Antwort: “Identitätsfeststellung, ist ganz normal”. Auf die Nachfrage, dass mir solche Kontrollen nicht passieren und warum das so lange dauert, wird auf die Kollegin verwiesen. Continue reading “Identitätsfeststellung, ist ganz normal”

Verurteilung wegen Widerstand für das Beobachten einer rassistischen Polizeikontrolle

November 2018

Kürzlich fand am Wiener Landesgericht eine Verhandlung zu Widerstand gegen die Staatsgewalt und schwerer Körperverletzung (kleiner Kratzer am Finger einer Polizistin) statt. Die Vorwürfe sind im Zuge einer Intervention gegen eine rassistische Polizeikontrolle aufgekommen und wurden wie so oft von den – an besagtem Abend anwesenden – Bull*innen konstruiert.

Hier Auszüge aus der zusammenhängenden Erklärung der Angeklagten: Continue reading Verurteilung wegen Widerstand für das Beobachten einer rassistischen Polizeikontrolle

Im Stiegenhaus festgehalten und durchsucht

Letzten Freitag Abend war ich mit eine paar Freunden in einem Café beim Gürtel. Wir haben geredet, diskutiert und Bier getrunken. Als ich um ca. 22:30 Uhr nach Hause musste, habe ich mich von meinen Freunden verabschiedet. Kurz nach dem Eingang, nach ca. 10-15 Meter hat mich die Polizei festgehalten. Ein Polizist hat sich plötzlich mit offenen Armen vor mich gestellt und gesagt: “Bleib stehen.” Continue reading Im Stiegenhaus festgehalten und durchsucht

Massenkontrolle

10. Oktober 2017, ca. 14:00
Praterstern, Ausgang Vorgartenstrasse
Polizeiautos (kleine Mannschaftswägen), zig Polizisten

Polizeikessel: im Kessel ca. 30 – 40 junge Männer, verschiedener Herkunft, auf die Frage was das soll, ist die Antwort: Ganz normale Kontrolle, es ist nichts passiert – einen schönen Tag noch.

Drei Polizisten kommen vom Praterstern heraus, in ihrer Mitte (nicht
festgehalten) zwei junge Männer, denen werden die Ausweise abgenommen und dann müssen sie auch in den Kessel.
Weitere Polizeigruppen gehen in verschiedene Richtungen, das macht den
Eindruck, als wollten sie alle jungen Männer, die sich hier aufhalten, im
Park, am Platz, zur U-Bahn gehen, in den Kessel bringen und normal
kontrollieren.

Kontrolle als Normalität???

Zivibullen-Razzia am Yppenplatz

26. September 2017, 15 Uhr

Um 15 Uhr wurden ein junger Mann und ein Jugendlicher am Yppenplatz von ca. neun Zivibullen verhaften. Zuerst wurde der Jugendlicher, höchstens 15, von drei Zivibullen an die Wand gedrückt. Danach wurde ein Mann – wahrscheinlich in seinen Zwanzigern- von drei Bullen zu Boden geworfen und mit Handschellen versehen. Währenddessen hielt ein Bulle den Jungen fest und trat ihn immer wieder gegen die Füße. Mit einem weiteren Bullen zwangen sie ihn schließlich sich hinzusetzen, in dem sie ihm die Beine wegtraten.

Der Mann wurde währenddessen weiter auf den Boden gedrückt während ein Bulle die Blumentöpfen, wahrscheinlich nach Drogen, durchsuchte. Nach ca. zehn Minuten wurde der Mann auf dem Boden zu dem Jungen an die Wandgestellt und beide wurden festgehalten, bis ein ziviles Bullenauto mit
Blaulicht erschien in das beide gesetzt wurden.

Offensichtlich waren die Festgenommenen mit Racial Profiling ausgesucht
worden.

30.6.17: Migration, Arbeit, Weed. Diskussion und Film ‘Operation Spring’

Am 30. Juni 2017 um 20 Uhr
Brunnenpassage 71/Yppenplatz, 1160 Wien

Erinnert ihr euch an die Gürtelpanik letztes Jahr? Jeden Tag hat die Polizei am Gürtel Leute schikaniert und vor allem People of Color nach einem neuen Drogengesetz verhaftet. Und heute? Wie am Fließband stehen täglich Leute vor Gericht. Angeklagt wegen angeblichen Drogenverkaufs, bestraft mit Gefängnis. Fast immer geht es nur um ein paar Gramm Gras. Keine*r weiß, ob nach dem Gefängnis nicht die Abschiebemaschine droht. Continue reading 30.6.17: Migration, Arbeit, Weed. Diskussion und Film ‘Operation Spring’

Er soll sich vom Gürtel fernhalten, sagt der Cop

15.5. 2017, ca. 20.30, U-Bahn Thaliastraße

Am Radstreifen eine Polizeiwanne und 4 Cops, die zwei junge Schwarze Männer festhalten. Ich frage einen der Männer, ob sie ok sind oder Unterstützung brauchen. Er sagt, nein, es ist nur eine normale Kontrolle, aber ich soll hierbleiben, und er sagt weiter, es ist die dritte Kontrolle in zwei Tagen. Continue reading Er soll sich vom Gürtel fernhalten, sagt der Cop